Trinkwasserleitungen in der Hausinstallation

6 Abhilfemaßnahmen bei schadstoffbelastetem Trinkwasser

Eine Schadstoffbelastung des Trinkwassers durch die Hausinstallation läßt sich durch eine Untersuchung auf Schwermetalle feststellen. (Bei Wasser aus einer landwirtschaftlich genutzten Gegend sollte zusätzlich der Nitratgehalt bestimmt werden.)

Grundsätzlich sollten Abhilfemaßnahmen so konsequent, zuverlässig und dauerhaft wie möglich durchgeführt werden. Dies bedeutet, daß Bleirohre, Zinkrohre mit hohem Cadmiumanteil und mit bleihaltigem Lot gelötete Kupferrohre auszutauschen sind. Der Austausch von Bleiwasserleitungen wird seit Jahren auf der politischen Ebene als wünschenswert betrachtet, bisher besteht aber nur bei öffentlich geförderten Modernisierungen die Verpflichtung zum Bleirohraustausch, bei Auswechslung durch den Mieter ist eine Bezuschussung mit WBK-Mitteln möglich. Die Rechtslage ist allerdings nicht einheitlich. Nach einer Entscheidung des Amtsgerichts Hamburg besteht eine Verpflichtung des Vermieters zum Austausch auf eigene Kosten [MRM86, MRM88], da "bleihaltige Trinkwasserrohre einen zur Mietminderung berechtigten Fehler der Mietsache darstellen" und die "Verpflichtung des Vermieters, die Wohnung in den vertragsgemäßen Zustand zu versetzen", besteht. Die rechtlichen Möglichkeiten seitens des Mieters, beim Hauseigentümer auf einen Bleirohraustausch zu drängen, haben sich seit der Novellierung der TrinkwV [TVO90] verbessert, da die Neufassung von 1990 die Hausinstallation einschließt.

Ist ein gesamter Rohraustausch kurzfristig nicht möglich, kann es bei Mischinstallationen sinnvoll sein, zumindest die Verbindungsstellen verschiedener Metalle durch Kunststoffrohrstücke zu ersetzen, um die elektrolytische Korrosion aufzuheben.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Aggressivität des Trinkwassers durch Wasseraufbereitungsmaßnahmen herabzusetzen. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang eine Entsäuerung des Trinkwassers. Durch Filtration über Kalziumcarbonat kann weiches Wasser auf einen pH-Wert um 8.0 angehoben werden, ansonsten ist der Zusatz von Kalkmilch ein geeignetes Mittel. Durch diese Aufbereitung wird die Löslichkeit aller Schwermetalle erheblich reduziert, und die verbleibenden Zink- und Kupferkonzentrationen sind im allgemeinen tolerierbar.

Als weitere Maßnahme zur Minderung der Blei-, Kupfer- und Zinkkonzentrationen wird die Möglichkeit einer Phosphatdosierung diskutiert, die u. a. auf Grund des erhöhten Phosphateintrages ins Abwasser keine zufriedenstellende Lösung darstellt.

Als zeitweilige Hilfsmaßnahme wäre das Ablaufenlassen des Wassers zu empfehlen, wodurch eine deutliche Verringerung der Schwermetallkonzentration erzielt wird, da die Stagnationszeiten in der Leitung sehr viel geringer werden. Vor dem Hintergrund des ohnehin schon hohen Wasserverbrauchs und der abnehmenden sauberen Grundwasservorräte sollte man jedoch das ablaufende Wasser anderweitig nutzen und sich einmal am Tag einen Frischwasservorrat im Kühlschrank anlegen.

Als mittelfristige Abhilfemaßnahme im Haushalt sind Wasserfilter denkbar. Filtergeräte arbeiten entweder auf der Basis von Ionenaustauschern, funktionieren nach dem Prinzip der Umkehrosmose oder es handelt sich um Aktivkohlefilter. Keiner der drei Filtertypen entfernt nur Schwermetalle aus dem Trinkwasser oder ist universell einsetzbar. Der Einsatz eines Wasserfilters im Haushalt ist also eingeschränkt empfehlenswert, die Vor- und Nachteile der einzelnen Filtertypen sind genau gegeneinander abzuwägen.